Noch einmal alles geben
Am Mittwoch, den 2. April, um 18:30 Uhr beendet der Thüringer HC mit einem Auswärtsspiel gegen den BSV Sachsen Zwickau die Hauptrunde um die Deutsche Meisterschaft in der Saison 2024-25. Am selben Tag finden noch drei Spiele des 21. Spieltages mit den unmittelbaren Mitbewerbern um die ersten vier Plätze in den Play Offs HB Ludwigsburg, Borussia 09 Dortmund und HSG Blomberg-Lippe statt. Diese Vereine, sowie die HSG Bensheim/Auerbach und TuS Metzingen, für die die endgültige Platzierung auch noch nicht feststeht, spielen ebenfalls erst am Mittwoch ihr vorletztes Spiel und haben ihr letztes Spiel erst am Samstag, den 5. April. Es ist aus sportlicher Fairness ein Unding, die Schlussphase der Hauptrunde so aufzusplitten, und es öffnet Spekulationen und Manipulationen, ob gewollt oder nicht, Tür und Tor. Es ist ein ungeschriebenes sportliches Gesetz, dass alle Spiele des letzten Spieltages an einem Spieltag gleichzeitig stattfinden. Der THC ist aber am Samstag Zaungast.
Rückblick: Es ist vollbracht, in einem unglaublich aufreibenden, spannenden, von den THC-Frauen kämpferisch und spielerisch bravourös gespielten Rückspiel in Rumänien, ist die THC Mannschaft zum zweiten Male nach 2022-23 in das FINAL4 der EHF European League eingezogen. Die 30:32 – Niederlage gegen CSM Ramnicu Valcea wurde nach dem Schlusspfiff wie ein Sieg gefeiert, denn Minuten vorher sah es schon so aus, als würde der Vorsprung von 6 Toren aus dem Hinspiel nicht reichen. Die erneute Finalteilnahme ist der größte Erfolg des Thüringer HC in den letzten beiden Spielzeiten und beschert den Fans, Sponsoren, allen Anhängern des THC am ersten Maiwochenende ein sportliches Event auf hohem internationalen Niveau und eröffnet dem THC die Chance, um einen internationalen Titel mitzuspielen. Am kommenden Dienstag werden in Wien die Halbfinal Paarungen ausgelost. Ebenfalls nach Graz schaffte es die HSG Blomberg-Lippe, in einem Handball-Krimi erst nach 7-Meter-Werfen. Komplettiert wird das Viererfeld von Ikast Hanbold aus Dänemark, die dort als erster Anwärter auf den Pokal starten und den Überraschungsteilnehmer Bourgogne Dijon mit der ehemaligen THC-Aktiven Ann-Christin Giegerich im Tor. Dijon setzte sich am Ende am klarsten aller Halbfinalisten gegen die HSG Bensheim/Auerbach mit zwei Siegen durch. Der THC spielte überragende erste 22 Minuten, lag zeitweise mit drei Toren vor, verpasste dann aber durch leichte Fehler und Unkonzentriertheiten, mit einem Vorsprung in die Pause zu gehen. Über zehn Minuten gelang gegen Ende von Halbzeit eins und bei Wiederanpfiff kein eigenes Tor. Mitte der zweiten Halbzeit war dann sogar der 6-Tore-Vorsprung weg, bis auf 7 Treffer plus lag Ramnicu Valcea einige Male vor. Es spricht für die Moral der Mannschaft, dass in der Crunchtime dem Druck des Gegners Paroli geboten worden ist. Dinah Eckerle zeigte da ein paar wichtige Paraden und der THC spielte sich wieder heran. Am Ende wurde es eine knappe Niederlage, die so wertvoll war wie ein großer Sieg.

Zum Spiel: Im mitteldeutschen Derby am Mittwoch in Zwickau ist der THC Favorit. Klar, das schwere Spiel, die lange Reise, die kurze Pause zwischen beiden Spielen, die eigentlich keine ist, machen es den THC-Frauen ungleich schwer. Trotzdem, irgendwie muss gewonnen, damit vorgelegt werden, und es geht ja auch noch um jedes Tor mehr, wenn man noch eine minimale Chance auf Rang drei der Hauptrunde haben will. Während alle anderen Mitbewerber um die besten Plätze zuschauen können, was der THC vorlegt und sich darauf einstellen können, ist der Thüringer HC zum Zuschauen verdammt. Wer hat das wohl verbockt? Wie gesagt, sportlich fair geht anders. Mit der Euphorie des Erfolges mit der in Rumänien gezeigten Leidenschaft und Cleverness sollte es gelingen, das letzte Spiel der Hauptrunde siegreich zu beenden. Alles, was danach kommt, kann der THC nicht mehr beeinflussen. Schauen wir nach vorn. Mit den Playoffs beginnt die Meisterschaft ja irgendwie von vorn.
Zum Kader: Die zwei Torfrauen und 11 Spielerinnen sind in Ramnicu Valcea an ihre Grenzen gegangen. Die Belastung ist enorm und es gibt diese Woche keine Pause. Die Mädels müssen noch einmal eng zusammenrücken, um den Erfolg zu erspielen oder zu erzwingen.
Text: HaJo Steinbach/ Bild: Christian Heilwagen