Im Heimspiel ein kleines Plus vorlegen
Nach dem schweren Auswärtsspiel in Blomberg geht es für den THC schon am Samstag weiter. Um 16:00 trifft der Thüringer HC im Viertelfinale der EHF European League im Hinspiel auf den rumänischen Klub SCM Ramnicu Valcea. Die THC-Mannschaft muss im Heimspiel einen Vorsprung herauswerfen, um im Rückspiel eine Chance auf den Einzug ins FINAL4 in Graz zu haben.
Rückblick: In die Endphase der Meisterschaft Hauptrunde ist der THC mit zwei Niederlagen gestartet. Die kamen zwar nicht unerwartet, aber gerade das Heimspiel gegen den Ligaprimus HB Ludwigsburg hat gezeigt, wozu der THC eigentlich fähig ist, wenn er konzentriert zu Werke geht. Bei Blomberg-Lippe war das Spiel dagegen zu fehlerhaft, und 36 Gegentore sprechen eben eine eindeutige Sprache hinsichtlich der Abwehrleistung. Natürlich war der Kräfteverschleiß, vor allem in Halbzeit zwei sichtbar. Das ist für die Fans manchmal schwer verständlich, wenn die Weltklasse -Mannschaft Ludwigsburg nur 23 Tore wirft und dann wenige Tage später Blomberg-Lippe 36. Mit diesen beiden Niederlagen ist Platz zwei weg. Den wird sich der BVB am Ende sichern und spielt dann womöglich im Viertelfinale der Play-offs gegen den VfL Oldenburg. Jetzt nur nicht Vierter werden ist der Wunsch. Dazu muss man aber erst in Zwickau gewinnen und Blomberg-Lippe muss gegen die HB Ludwigsburg verlieren und darf in Göppingen nicht hoch gewinnen. Vielleicht ein paar zu viele Wenn und Aber?
In der European League ist die THC Mannschaft mit einem Last Second Win gegen Atticgo Elche aus Spanien gerade noch ins Viertelfinale eingezogen. Ramnicu Valcea ist der Gruppensieger in Gruppe B, das sogar vor den Däninnen von Ikast Handbold. In der heimischen Liga sind sie weit abgeschlagen. So wie der THC auch, verloren sie am Mittwoch ihr Ligaspiel beim Champions League Club Gloria 2018 Bistrita-Nasaud deutlich mit 24:38.
Maßstab für den THC muss das Gruppenphase Spiel gegen Dunarea Braila sein, wo die THC-Frauen den derzeitigen Tabellendritten der rumänischen Liga mit 38:28 besiegt haben. Das wäre so ein Wunsch Resultat. Aber Spaß beiseite, ein europäisches Viertelfinale ist kein Wunschkonzert, ist auch eine Nummer größer als ein Gruppenspiel, und der Gegner behält immer noch den Vorteil, im Rückspiel alles Vorherige zu korrigieren.

Zum Spiel: Nach Herbert Müller, der den rumänischen Handball bestens kennt, ist ihm Valcea lieber als Ikast Handbold. Dennoch, wer Gruppenerster in der schweren Gruppe B wird, wo der BVB Dortmund am Ende als Dritter ausgeschieden ist, ist auf jeden Fall erst einmal Favorit. Erst recht, wenn man sich den Kader von Valcea anschaut.
Im aktuellen Kader von Ramnicu Valcea stehen zahlreiche aktuelle und ehemalige rumänische Nationalspielerinnen und Auswahlspielerinnen aus anderen Ländern, allen voran mit Julia Maidhof und Mia Zschocke zwei deutsche Auswahlspielerinnen. Im Tor stehen Julie Line Foggea, eine Französin, die im Vorjahr noch in der Champions League bei Brest Bretagne HB im Kader war und die rumänische Auswahl Torhüterin Ioana Raluca Kelemen. Besonders auffällig und torgefährlich sind im Verlauf der diesjährigen European League Saison die Norwegerin Anniken Wollik auf Linksaußen, die schwedische Auswahlspielerin auf Rechtsaußen, Nathalie Hagman, die beiden Deutschen Mia Zschocke im linken und Julia Maidhof im rechten Rückraum. Desweiteren sind in dem insgesamt ausgeglichen und stark besetzten Team, als Spielmacherin die rumänische Auswahlspielerin Ioana Rebeca Necula, auf Rechtsaußen die französische Nationalspielerin Alicia Toublanc sowie am Kreis die slowenische Auswahlspielerin Natasa Ljepoja. Das könnte beliebig fortgesetzt werden. Nach internationaler Erfahrung ist uns diese rumänische Mannschaft weit voraus.
Doch die großen Erfolge von Ramnicu Valcea liegen weit zurück (20 Mal Meister und 14 Mal Pokalsieger). Ebenso die internationalen Titel im Europacup – Vize in der Champions League 2010. In dieser Saison steht man derzeit auf dem 8. Tabellenrang in Rumänien.
In der Saison 2022/2023 trafen beide Teams in der European League schon mal in der Gruppenphase aufeinander. Der THC gewann das Heimspiel mit 38:31 (19:16) und spielte auswärts im Rückspiel 32:32 (16:17) Unentschieden. Damals erreichte der THC das FINAL4 in Graz. Ganz chancenlos ist der THC nicht, obwohl die Kräfte nachlassen, der Kader schrumpft durch Verletzungen.
Gradmesser für die Stärke dieser Rumäninnen sollten auch die beiden Spiele gegen den Bundesliga Spitzenverein Borussia 09 Dortmund sein. In Dortmund spielte Ramnicu 31:31-Unentschieden, das Heimspiel gewann Ramnicu ungefährdet mit 32:27. Es wird interessant werden, ob der THC da besser dagegenhalten kann. Auf jeden Fall ist Ramnicu ein ernsthafter Anwärter für das Final4 in Graz und wird für den THC auf dem Weg dahin noch einmal eine enorme Herausforderung.
Es ist das Traumziel des Thüringer HC, das Finale der European League in Graz zu erreichen. Dort könnte die Mannschaft die große Chance nutzen, nach Lage der Dinge vielleicht sogar gegen die anderen Bundesliga Vertreter HSG Bensheim/Auerbach und HSG Blomberg-Lippe, mit dem Europa Liga Gewinn die Saison mit einem Titel zu beenden.
Zum Kader: Wie gesagt, die Reihen lichten sich. Nach Abwehrstrategin Anika Niederwieser, die noch Wochen fehlen wird, fällt auch Kreisläuferin Sharon Nooitmeer durch eine Achillessehnen Verletzung länger aus, Kathrin Pichlmeier ist an Grippe erkrankt und so hat der THC derzeit nur noch 10 Feldspielerinnen, vielleicht zu wenig bei dieser Belastung in der Crunch Time der Saison.
Text: HaJo Steinbach/ Bild: Christian Heilwagen